Die Wege des Wassers

Defekte oder fehlende Horizontalsperre

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Mauerwerk ohne Seprren. Das Wasser kann aus dem Fundamentbereich und aus dem anliegenden feuchten Erdreich in das Mauerwerk eindringen.

Jedes Jahr entstehen an der Bausubstanz allein in der Bundesrepublik Schäden in Milliardenhöhe, die direkt oder indirekt auf den Einfluß von Wasser zurückzuführen sind. Aufsteigende Feuchtigkeit gehört mit zu den am häufigsten anzutreffenden Schäden im Mauerwerk. Die Folgen sind abplatzender Putz, Schäden an Fugen und Ziegel, aber auch Salzausblühungen und Algenbewuchs. 

 

Bei aufsteigender Feuchtigkeit findet ein kontinuierlicher Flüssigkeitstransport durch die Kapillaren des Mauerwerks entgegen der Schwerkraft statt. Das Wasser verdunstet an der Oberfläche des Baustoffs und mehr Feuchtigkeit folgt nach. Dieser Vorgang führt meist zu einem Anstieg der Salzkonzentration an der Oberfläche. Zwischen dem trockenen Mauerwerk (oben) und dem durchfeuchteten Mauerwerk (unten) ist die Verdunstung am größten. Dort zeigen sich oft die ersten Schäden. 

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Aufsteigen einer Flüssigkeit in Kapillaren

Aufsteigende Feuchtigkeit entsteht im Zusammenspiel der Oberflächenspannung einer Flüssigkeit (Kohäsion) und der Grenzflächenspannung zwischen Flüssigkeit und fester Oberfläche (Adhäsion). Flüssigkeiten haben generell die Eigenschaft, sich auf der Oberfläche eines Baustoffes zu verteilen. Andererseits haben Flüssigkeiten wie z. B. Wasser eine Oberflächenspannung. Diese beiden Kräfte zusammen haben zur Folge, dass Wasser in einem dünnen Röhrchen (Kapillare) aufsteigt (Grafik). Einige Baustoffe saugen Wasser auf wie ein Schwamm. Der Grund sind sogenannte Kapillaren. Das sind feine Poren im Baustoff mit einem Durchmesser von  10-7m bis 10-4 m. Zwischen 20 % und 50 % der Poren der Baustoffe Beton, Ziegel und Mörtel fallen in diese Kategorie. Poren mit einem Durchmesser von kleiner als 10-7 m werden „Mikroporen“ genannt und sind zu klein für den kapillaren Wassertransport, wohingegen Poren mit einem Durchmesser von mehr als 10-4 m zu groß für den Wassertransport sind. Je kleiner der Durchmesser der Pore, desto größer der Kapillardruck und desto höher das kapillare Aufsteigen. Eine Kapillare mit einem Durchmesser von 1 µm (10-7 m) kann theoretisch einen Saugdruck von 2,8 bar erzeugen, was einer Steighöhe von ca. 28 m entspräche. 

 

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Mauerwerk ohne Horizontalsperre, welches trotz der vertikalen Sperre Wasser aus dem tiefliegenden Fundamentbereich aufsaugen und weitertransportieren kann.

Eine defekte oder fehlende Horizontalsperre führt zu kapillar aufsteigender Feuchtigkeit im Mauerwerk. Daraus resultieren Feuchteschäden mit möglichen Schimmelpilz- und Schwammbefall. Mit zunehmender Feuchte wird die Wärmeleitfähigkeit erhöht und die Wärmedämmung geringer!