Informationen über Spürhunde

Der Geruchssinn des Hundes ist sein feinster Informationsempfänger.

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Duke vom Spanger Forst bei der Nasenarbeit (7Monate)

Der extrem empfindliche Geruchssinn von Hunden ist dem Menschen seit langem bekannt und wird genutzt, um Hunde als sog. "Spürhunde" zum Aufspüren bestimmter, geruchlich erfassbarer Stoffe oder Lebewesen einzusetzen. Als Fährtensuchhund und zum Apportieren der erlegten Beute begleitet der Hund schon seit Jahrhunderten den Menschen bei der Jagd. Hilfsorganisonen und polizeiliche Ermittler nutzen das außerordentliche Geruchsvermögen des Hundes bei der Suche nach verschütteten Menschen ("Lawinenhunde") oder verborgenen Leichen ("Leichenspürhunde") mit speziellen auf den menschlichen Geruch trainierten Hunden. Im polizeilichen Bereich werden seit langem Spürhunde zum Aufspüren kleinster Mengen von Rauschgiften oder Sprengstoffen erfolgreich eingesetzt. Unsere eigenen Erfahrungen mit Gerüchen reichen nicht aus, um uns auch nur annähernd die Geruchswelt der Hunde vorstellen zu können. Der hochentwickelte Geruchssinn ist bei Hunden schon ab etwa dem 4. Monat voll ausgebildet. Über die Nase erfährt der Hund alle für ihn wichtigen Informationen wie z.B. Geschlecht, Alter oder Gesundheitszustand von Artgenossen. Aber auch Stimmungen wie Angst oder Freude kann der Hund riechen.

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Baxi vom Böhmerwald bei einer Hausdetektion (Immobilienkauf)
  • Grundlegende Betrachtungen zum Geruch als einem der Sinne der Lebewesen zeigen, dass beim Hund besonders ausgeprägte Fähigkeiten vorliegen. Hunde nehmen Gerüche plakativ war. Jeder Duft ist für sie mit einer Nachricht verbunden. Ähnlich wie der Mensch Schilder liest, entschlüsselt der Hund die einzelnen Duftinformationen und ist in der Lage ca. eine Millionen verschiedene Gerüche zu unterscheiden. Riechen ist insbesondere eine geistige Arbeit! Der Geruchssinn gehört, wie der Geschmackssinn zu den chemischen Sinnen, d.h. die Sinneseinrichtungen reagieren auf einen chemischen Vorgang. Beim Geruchsvorgang sind die sog. Reizstoffe (Duftstoffe), die ein bestimmtes Signal (Erregung von Zellen) auslösen gasförmige Substanzen, während der Geschmackssinn vor allem durch flüssige und feste gelöste Stoffe erregt wird. Der menschliche Geruchssinn kann bis zu etwa 10.000 Gerüche (Duftstoffe) wahrnehmen und auch differenzieren; eine scharfe Abgrenzung verschiedener Duftqualitäten (Duftselektivität) ist aber nicht oder nur begrenzt möglich. Beim Menschen und bei den höher entwickelten Tieren sind die Geruchsorgane mit den Atemwegen kombiniert.
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Duke vom Spanger Forst auf der Suche nach verdecktem Schimmel (Training Fußboden)

Die Riechsinneszellen liegen in einer speziellen Region der Nasenschleimhaut, dem Riechepithel. Die Riechschleimhaut in der Nasenhöhle des Menschen enthält etwa 10 000  Sinneszellen (Riechzellen) auf einer Schleimhautfläche von nur ca. 5 - 10 cm², während die Nasenschleimhaut eines größeren Hundes, z.B. eines Schäferhundes, etwa 150 cm² beträgt und bis zu 2,3 x cm², also etwa 23 mal soviel, Riechzellen enthält. Die Riechsinneszellen tragen an ihrer Spitze Sinneshaare (Cilien), die in die Schleimschicht hineinragen und den eigendlichen Kontakt zum Molekül des Duftstoffes herstellen. Die Anzahl dieser Härchen ist ausschlaggebend für die Mengenempfindlichkeit, da ihre Zahl die gesamte, für einen Kontakt zur Verfügung stehende Oberfläche bestimmt. Der Mensch besitzt ca. 5-10 Riechhärchen pro Riechzelle, während es beim Hund etwa 100 pro Riechzelle sind. 

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Baxi bei der erfolgreichen Suche in der Zwischendecke

Auch der rein mechanische Riechvorgang unterscheidet sich erheblich. Während der Mensch durch langsames gegebenenfalls mehrfach unterbrochenes Einziehen von Luft durch die Nase zu "riechen" versucht, wendet der Hund eine bestimmte Schnüffeltechnik an, wobei er bis zu 300 mal in der Minute Luft in kurzen Stößen durch die Nase zieht. Durch diese Technik wird innerhalb kurzer Zeit ein sehr großes Luftvolumen über die Nasenschleimhaut geleitet, auf der dann durch die kurze Saugfrequenz eine Anreicherung von Duftmolekühlen möglich ist. Das Erkennen eines bestimmten Duftstoffes findet über ganz bestimmte Rezeptoren (Empfänger) in der Membran der Riechhärchen statt (Donator-Rezeptor-Wechselwirkung). Dabei spielen offensichtlich die Moleküleigenschaften (Zusammensetzung, Größe, Dipolmoment, sterische Faktoren) eine entscheidene Rolle. Nach neueren Erkenntnissen basiert die Erkennung eines bestimmten Geruchs auf einer großen Anzahl unterschiedlicher (spezifischer) Rezeptoren, von denen jeder spezifisch nur mit einem oder sehr wenigen, ähnlichen Duftstoffen in Wechselwirkung treten kann.


Vergleich

Mensch

Hund

Faktor

Riechschleimhaut

5-6cm²

150-170cm²

~ 30

Anzahl der Riechzellen

~10⁷

~2,3x10⁸

~ 23

Sinneshaare pro Zelle

5-10

100

10-20

Riechhirn

1/100

1/7 d. Gehirns

14

Atemtechnik (Frequenz)

12-15 

/ Min.

300 / Min.

20-25

Wahrnehmungsgrenzen:

 

 

 

-Buttersäure

1

1,2x10ˉ⁶

800 000

-Essigsäure

1

4x10ˉ⁸

20 000 000

  

 

 

 

 

 






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Duke vom Spanger Forst im Training auf Schimmelsuche (freie Suche)

Das Gehirn erkennt den Duftstoff durch die Unterscheidung, welcher der zahlreichen Rezeptoren aktiviert wurde. Die Selektion eines bestimmten Duftstoffes aus einer Vielzahl von Komponenten beruht also darauf, dass es für jeden Duftstoff einen spezifischen Rezeptor bzw. eine bestimmte Rezeptorkombination gibt. Wesentlich für die Erkennung eines bestimmten Duftstoffes ist ein gezieltes Training auf diese Substanz. Das Training hat nicht nur das Ziel des Wiedererkennens, sondern es löst auch einen Verstärkungseffekt aus. Dabei ist auch zu beachten, dass eine Dauereinwirkung durch einen betimmten Geruchsstoff zu einer Abnahme der Empfindung (Adaption) führt, so dass die Geruchsempfindung bei längerer Reizdauer für diesen Stoff vollständig verschwinden kann, ohne die Empfindlichkeit für andere Stoffe zu beeinflussen. Daraus erklärt sich, dass Hunde besonders große Mengen eines aufzuspürenden Stoffes häufig nicht wahrnehmen. Die geringe Wahrnehmungsschwelle, die hohe Selektivität und die große Zahl erkennbarer Duftstoffe werden durch die Besonderheiten des Riechorgans des Hundes (im Vergleich zum Menschen) bewirkt.