Die Ausbildung zum Schimmelspürhund

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Duke vom Spanger Forst. Die Hundenase, eine entscheidene Nasenlänge voraus.

Die Ausbildung unserer Hunde basiert nach den Ausbildungskriterien und den Prüfungen der professionellen Spürhundeausbildung der Polizei und des Zolls. Abweichend davon werden die speziellen Anforderungen der Schimmelpilz-Detektion durch einen Schimmelspürhund eingebracht. Unsere Hunde wurden in einer Machbarkeitsstudie  mit realen Proben und Laboranzüchtungen  dahingehend überprüft, in wie weit eine zuverlässige Detektion möglich ist. Ergebnis: Der Hund orientiert sich am Leitgeruch der speziellen Spezies Schimmelpilz und nicht an verschiedenen Stoffwechselprodukten, diese sind sekundär! 

 

Wie bei allen Spürhunden basiert die Ausbildung auf der Ausnutzung und der Förderung des vorhandenen Spiel- und Beutetrieb des Hundes. Vor der Auswahl und der eigentlichen Ausbildung zum Spürhund wird der Spieltrieb des Hundes bereits durch Suchen eines Spielzeugs, das sog. Bringsel (z.B. Tennisball, Hohlzylinder aus Kunststoff...) getestet und trainiert. 

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präparierter Hohlzylinder aus Edelstahl (geruchsneutral) für die spätere Arbeit.

Grundlage dieser Ausbildung ist das Pavlovsche-Verfahren. Unter diesem Verfahren, der klassischen Konditionierung versteht man in der Psychologie das Lernen durch die zeitliche Paarung zweier Reize. Wenn diese zwei Reize (etwa der Anblick eines Spielzeugs und der Geruch von Schimmelpilz) immer wieder zusammen auftreten, kann ein Reflex (in diesem Fall das Spielverhalten), der eigentlich nur zu einem bestimmten Reiz gehört, mit der Zeit von einem anderen ausgelöst werden – also vom Schimmelpilz: Riecht der Hund Schimmelpilze, steht ein lustiges Spiel bevor, so zu sagen die Übertragung. Entdeckt wurde die Konditionierung von dem russischen Arzt Iwan Pawlow. Er war einer der ersten Nobelpreisträger (1904) und wurde durch seine Versuche mit Hunden (Pawlowsche Hunde) weltweit bekannt.

Das "Geheimnis" der Ausbildung eines Spürhundes zur erfolgreichen Sucharbeit liegt darin, ihn durch die erkannten  trieblichen Veranlagungen - insbesondere die des Spiel- und Beutetriebes - dazu zu bringen, das Erkennen und Anzeigen des spezifischen Geruchs von Schimmelpilzen mit dem für ihn angenehmen Erlebnis einer ausgiebigen Belohnung durch Spielen zu verknüpfen. Der Hund erlernt dies durch Gewöhnung. Der zeitliche Aufwand der Ausbildung ist besonders groß und erfordert von Ausbildern und Hundeführern ein hohes Maß an Sachverstand, Geduld, Ausdauer, und Einfühlungsvermögen.  

 

Für alle Spürhunde ist ein hoher Spiel- und Beutetrieb entscheidend. Das uralte "brings Stöckchen!" ist dabei der Ausgangspunkt. Zwar bringen die meisten Hunde ihrem Frauchen oder Herrchen das geworfene Spielzeug gerne wieder, solange sie sehen können, wo es gelandet ist. Aber nur bei wenigen Hunden ist der Beutetrieb so ausgeprägt, dass sie auch dann noch intensiv nach "dem Stöckchen" suchen, wenn sie für längere Zeit keinen visuellen Bezug mehr zum Objekt haben.

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aktive Anzeige der Probe durch Scharren

Zunächst lernt der Hund den Geruch des betreffenden Schimmelpilzes kennen. Die Probe wird danach in das Spielzeug mit dem jeweiligen Geruch plaziert, und der Hund verbindet nach relativ kurzer Übungszeit -der Konditionierung-, die Suche nach dem Spielzeug mit dem Geruch der jeweiligen Schimmelpilzprobe. Durch sein extrem empfindliches und selektives Geruchsvermögen kann der Hund zahlreiche Schimmelpilzgerüche unterscheiden, abspeichern und wieder finden. In realen, gestellten Suchsituationen wird in einem Objekt im nächsten Schritt eine der zu suchende Schimmelpilzart positioniert. Bei der Suche nach seinem Spielzeug spürt der Hund diese Stelle auf und wird mit seinem Spielzeug belohnt.

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Belohnung mit seinem Lieblingsspielzeug

An eine solche positive Anzeige schließt sich ein kurzes Spiel mit dem Spielzeug an. Eine negative Suche oder eine Falschanzeige werden nicht belohnt. In der letzten Phase der Konditionierung wird in verschiedenen Objekten gesucht. Dabei lernt der Spürhund dann auch, dass er nicht nach jeder Anzeige, sondern eventuell erst nach Ende eines Sucheinsatzes mit seinem Spielzeug belohnt wird. War im Realfall die geasamte Absuche negativ, wird außerhalb des Suchbereichs eine "Anlage" gelegt und aufgespürt, damit der Hund in jedem Fall mit einem positiven Suchergebnis und der Belohnung abschließt. Durch ständiges Training nicht nur durch Übungslagen, sondern vielmehr in realen Einsätzen wird der Hund zunehmend erfahrener und sicherer im Anzeigeverhalten. Besonders wichtig ist hier die Fähigkeit des Hundeführers, geringste Verhaltensänderungen des Spürhundes früh wahrzunehmen. Ebenso muss er die individuelle Körpersprache des Hundes genau kennen. Denn lange bevor der Hund anzeigt, sendet er Körpersignale aus.

 

Die Durchführung der Suche sowie das Suchsystem sind abhängig von den Gegebenheiten vor Ort. Wir bevorzugen eine Kombination aus Freisuche und geführter Suche.

 

 

Die Einsatzdauer bei Spüreinsätzen beträgt für einen professionellen Schimmelspürhund etwa 15-20 Minuten. (Dabei können 100 - 200  abgesucht werden, nach einer Pause kann ein derartiger Einsatz noch ca. 3-5-mal wiederholt werden.

 

Wir bilden unsere Hunde -mit über 45-zig jähriger Erfahrung grundsätzlich selber aus und führen sie persönlich. Es gibt also kein möglichens Kommunikatiosdezifit zwischen externem Hundeführer und Sachverständigen